Strahlende Gesichter bei den DRK Rettungshunden aus Graben

Rettungshundeführer müssen mit ihren Hunden eine Prüfung ablegen, bevor sie mit ihnen in den Einsatz gehen dürfen. Damit nicht genug, alle 18 Monate muss diese Prüfung dann wiederholt werden, um die Einsatzfähigkeit nachzuweisen!

Am 02.11.14 war es für 2 erst- und 4 „Bestands“-prüflinge des DRK Graben dann soweit: Früh morgens, im herbstlichen Nebel bei geringer Sichtweite, traten sie auf dem Gelände des SV OG Graben zur Prüfung an. Ebenfalls angetreten waren zwei Kameradinnen mit Ihren Hunden aus den DRK-Bereitschaften Heidelberg und Bad Mergentheim. Im ersten Prüfungsteil, dem Fachfragentest, musste das rettungshundische  Fachwissen der Hundeführer nachgewiesen werden. Fragen zu Erste Hilfe an Mensch und Hund, Einsatztaktik, Funk und Kynologie („Lehre vom Hund“) mussten beantwortet werden.

Beim zweiten Prüfungsteil, dem Verweistest, durften dann die Hunde mitmachen. Eine Person liegt offen sichtbar auf Distanz auf dem Boden, der Hund soll hierbei in seiner Anzeigeart diese Person finden und  „verweisen“, das heißt dem Hundeführer seinen Fund melden. Bei den meisten Hunden passiert das durch Bellen an der Person, aber auch der Freiverweis, also z. B. Bringseln oder das Abholen und Hinführen des Hundeführers zur Person sind möglich.
Der Blickwinkel der Prüfer liegt hierbei darauf, dass der Hund diese Aufgabe motiviert, zuverlässig aber auch nicht zu aufdringlich erfüllt.

Der nächste Prüfungsteil ist dann die Gehorsamsprüfung. Hier werden Gehorsamsübungen aus dem Alltag sowie für die Rettungshundearbeit wichtige Kommandos und Befehle (z. B. das Voraussenden und Getragen-Werden sowie das Verhalten in Menschen- und Hundegruppen) bewertet.
Die beiden Prüfer Gudrun Kaiser vom Malteser Hilfsdienst und Michael Herresbach vom DRK sowie die Prüfungsleiterin Susann Kraft konnten nach diesen drei Prüfungsteilen entspannt schauen: alle acht Teams durften in den letzten Prüfungsteil,  die Suche.
Leider nicht immer so, denn auch wenn man sich im Alltag & Einsatz auf seinen Hund verlassen kann ist an einem Prüfungstag, meist durch die Aufregung des Hundeführers, alles möglich…

Zwischenzeitlich war der Nebel strahlendem Sonnenschein gewichen.  Leider fehlte nun aber ein sonst sehr gern gesehener Gast in der Rettungshundearbeit – der Wind…
Schließlich trägt dieser dem Hund im 30 000qm großen Suchgebiet die Witterung zu. Flächensuchhunde sind Stöbersucher, das heißt sie laufen frei suchend durch den Wald auf der Suche nach menschlicher Witterung. Finden sie Witterung verfolgen sie diese bis hin zur Person und zeigen diese dem Hundeführer an. Es galt also, das bisschen und zudem ständig wechselnde Windchen geschickt taktisch zu nutzen, um die beiden versteckten Personen in der knappen vorgegebenen Zeit zu finden. Die Laufstrecke verlängert sich durch diese taktischen „Schlenker“ sehr, so dass die von der Gemeinsamen Rettungshunde-Prüfungsordnung nach DIN 13050 der großen Hilfsorganisationen für die Suche vorgegebene Maximalzeit von 20 Minuten sehr schnell knapp werden kann. Zeigt der Hund einen Fund an ist es Aufgabe des Hundeführers, die gefundene Person sanitätsdienstlich zu versorgen, die Fundstelle möglichst genau der Einsatzleitung zu übermitteln und die benötigte Hilfe anzufordern. Hier schließt sich der didaktische Kreis, denn vor Suchbeginn muss der Hundeführer auch eine taktische Abfrage zur Lage machen.

„Hier ist die Prüfungsordnung leider sehr realitätsfremd“, so Andre Lindner, Fachberater Rettungshunde des DRK KV Karlsruhe, „schließlich wird das so im Einsatz nie passieren! Keiner unserer Hundeführer geht allein in die Suche, die Aufgaben verteilen sich auf den Hundeführer und seinen Einsatzhelfer.“ Hier zeigte sich, trotz der unrealistischen Doppelbelastung der Hundeführer,  die fundierte und hochwertige Ausbildung der Teams – alle haben bestanden!

Die DRK Rettungshunde Graben verfügen nach dieser Prüfung über 12 einsatzfähige Flächenteams.
„Bei uns zählt immer das Team“ so Susann Kraft, die neben der Prüfungsleiter-Tätigkeit u. a. Teil der Fachbereichsführung Rettungshunde im Kreisverband Karlsruhe ist. „Nur aktuell und erfolgreich geprüfte Hundeteams dürfen in den Einsatz. Soll ein Hund von einer weiteren Person geführt werden können muss diese ebenfalls, nach Abschluss aller Helferausbildungen, die Prüfung mit ihm bestehen und aktuell halten.“
„Das kann Sinn machen, wenn ein Hundeführer mal verhindert ist“, so Karin Lindner, ebenfalls Teil der Fachbereichsführung und Ausbildungsleitung im DRK Graben. „Wenn mein Mann z. B. den Arbeitsplatz in der Klinik für einen Einsatz nicht verlassen kann oder in der Einsatzleitung gebunden ist kann ich unseren Hund „Tiger“ führen, da wir beide mit ihm geprüft sind.“

Etwa zwei bis drei Jahre dauert die Ausbildung eines Rettungshundeteams. Zeit, die sowohl der Hundeführer als auch der Hund für das große Lernpensum benötigt.
„Wir trainieren zweimal die Woche, dazu kommen die Kurse und Schulungen der Hundeführer“ so Kraft. „Und die Termine der normalen Ortsvereinsarbeit“ ergänzt Andre Lindner. Seit 1 ½ Jahren ist die Rettungshundearbeit nun in Graben angesiedelt, um den dortigen Ortsverein personell zu stützen.

Insgesamt sind in Graben derzeit 35 Personen aktiv, 30 davon in der Rettungshundearbeit. Neben den 12 geprüften Teams sind derzeit weitere 14 Hunde in der Ausbildung. „Über 10 000 ehrenamtlichen Stunden haben wir dieses Jahr schon, alleine 7000 in der Rettungshundeausbildung und etwa 1000 bei Sanitätsdiensten.“ so Lindner. Der Rest verteilt sich auf Helferausbildung, Arbeitsdienste, Sitzungen, Öffentlichkeitsarbeit, … „Und die Sammlungen!“ ergänzt Gerhard Heckmann, der vierte und derzeit letzte Teil der Fachbereichsführung. Denn mit den Sammlungen, hauptsächlich in der Vorweihnachtszeit, finanziert der Ortsverein den Großteil der Rettungshundearbeit.  Zuschüsse und Vergütungen gibt es keine, auch keine Aufwandsentschädigung für die Einsätze. Und 2014 waren das immerhin schon 22.
Weitere Informationen über die DRK Bereitschaft Rettungshunde Graben finden Sie im Internet unter www.drk-rettungshund.info oder bei Facebook unter „DRK Rettungshunde Graben“. Hier finden Sie auch Informationen über Unterstützungsmöglichkeiten – und das Spendenkonto.

„Nach so viel Strapazen tut eine bestandene Prüfung doppelt gut“ sagt Jürgen Bergmann, selbst Prüfling mit Hund „Knäcke“ und einer der vier Ausbilder der Bereitschaft. „Und bei einer Bestehrquote von 100% noch viel mehr!“
Der Dank der Grabener Rettungshunde gilt den Prüfern für die trotz Prüfung angenehme Atmosphäre! Auch dem Schäferhundeverein OG Graben und dem Landratsamt für die Nutzung von Gelände und Wald möchten die Aktiven danken – sowie allen Spaziergängern, die netterweise um das Prüfungsgelände herum spaziert sind! „Der Dank gilt aber dem ganzen Team – ohne Teamarbeit geht Rettungshundearbeit nicht!“ sagt Andre Lindner abschließend. Und zum Team gehören auch alle, die das ganze Jahr über mitwirken, sei es als Versteckperson, Helfer im Einsatz oder Steller von Übungsgeländen.

Hunde helfen Leben retten – www.drk-rettungshund.info

Text: DRK Rettungshunde Graben

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